Das EHB ist Herausgeberin von mySkillbox. Welches waren Ihre Aufgaben als Autorin?
TW: Lernen soll nachhaltig sowie im Leben der Lernenden anwendbar und nützlich sein. Deshalb suche ich typische Situationen aus der aktuellen oder bevorstehenden Lebenswelt der Jugendlichen, die Lernpotenzial bergen bzw. eine Problemstellung beinhalten. Probleme zu lösen wird dann spannend, wenn man emotional betroffen ist, sprich die Situation für einen bedeutsam ist. Hier beginnt effektives Lernen. Denn Wissen, das in einem emotionalen Kontext erworben wird, prägt sich nachweislich tief in unsere Hirnstrukturen ein. Hierbei sind sich Wissenschaftler wie Gerald Hüther, Remo Largo, und John Hattie, der weltweit sämtliche englischsprachigen Studien zur Unterrichtsforschung zusammengeführt hat, einig. Und genau das ist meine Aufgabe und Herausforderung zugleich: Bedeutsame Handlungssituationen zu kreieren. Die Instrumente, welche vom EHB entwickelt werden, unterstützen die Lernenden dabei, diese Situationen erfolgreich zu meistern. Damit erwerben die Jugendlichen Kompetenzen, die sie befähigen, ähnliche oder verwandte Probleme zu lösen.
Welches war Ihre Motivation, sich für dieses Projekt einzusetzen?
TW: Ich fand, dass es an der Zeit ist, ein innovatives digitales Lehrmittel auf den Markt zu bringen, das den Namen verdient, sprich die neuen Medien so nutzt, dass sie einen wirklichen Mehrwert generieren. Die Arbeit der Lehrperson ist vielschichtig, komplex und herausfordernd. Der Unterricht ist nur noch eine von vielen Bühnen, auf der sie tanzt. Ich empfinde es als angenehmen Service, den Lehrpersonen inhaltlich, didaktisch und methodisch durchdachte Materialien zur Verfügung zu stellen, die sie nach ihren eigenen Bedürfnissen weiterentwickeln und anpassen können. Wenn kompetenzorientiertes Lernen und Prüfen sich etablieren soll, braucht es auch entsprechende Lehrmittel dazu. mySkillbox verfolgt alle diese Ziele und Überzeugungen gleichzeitig. Das finde ich faszinierend und toll. Mich begeistert zudem, dass in unserem Team Leute aus der Wissenschaft und Praxis eng und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Tvrtko Brzovic (TB), Abteilungsleiter GIBB Bern, und Pascal Sigg (PS), ABU-Lehrperson GIBB Bern, ABU-Verantwortlicher, standen dem Autorenteam als Berater zur Seite.
Tvrtko Brzovic (TB), Abteilungsleiter GIBB Bern, und
Pascal Sigg (PS), ABU-Lehrperson GIBB Bern, ABU-Verantwortlicher:
Das ABU-Team des EHB hat sich zum Ziel gesetzt, für alle relevanten ABU-Themen taugliche Instrumente zu entwickeln, mithilfe derer die Lernenden herausfordernde private, betriebliche und gesellschaftliche Situationen bewältigen können. Ist dies gelungen?
TB: Aus meiner Sicht ist dies sehr gut gelungen. Eine Herausforderung ist es, die für die Lernenden relevanten Situationen zu erkennen. Die vorhandenen Instrumente decken die wichtigsten herausfordernden Situationen ab. Somit haben die Lernenden nach jedem Modul ein Instrument in der Hand, das sie wieder zücken können, sobald es in ihrem Leben gefragt ist.
Inwiefern bringt die Arbeit mit mySkillbox einen Mehrwert gegenüber der Arbeit mit einem herkömmlichen Lehrmittel? Was ist anders? Welche Möglichkeiten von mySkillbox schätzen Sie besonders?
PS: Meine drei Klassen schätzen am Lehrmittel, dass sie zu einem rechten Teil im eigenen Arbeitstempo arbeiten können und vieles in einem Produkt vereint ist. Oft wird von den Informatikern im 1. Lehrjahr die direkte, konkrete Auseinandersetzung mit für sie relevanten Inhalten hervorgehoben. Als Lehrperson schätze ich die zusätzliche Vielfalt gegenüber anderen Lehrmitteln: Ich bestimme nicht nur individuell pro Klasse die Unterrichtsschwerpunkte, auch das Lehrmittel entspricht genau dem Unterricht.
TB: Der Unterricht hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Selbstorganisiertes Lernen, vernetztes Denken, Kreativität, Individualisierung und natürlich Digitalisierung sind nur einige Stichworte. mySkillbox unterstützt die Lehrpersonen im zeitgemässen Gestalten des Unterrichts. mySkillbox fördert die Zusammenarbeit und greift auch die Portfolio-Idee und somit das lebenslange Lernen auf, was es als Lehrmittel besonders interessant macht.
Wie verlief die Testphase? Welche Erfahrungen haben Sie mit den Testklassen gemacht?
PS: Glücklicherweise waren die Testklassen sehr direkt und konkret in den Rückmeldungen. So konnte ich fast wöchentlich technische und inhaltliche Rückmeldungen geben. Was umgesetzt werden konnte, wurde gleich geändert. Sicherlich muss man als Lehrperson etwas in die neue Umgebung reinkommen und die sich nun neu bietenden Möglichkeiten kennen und schätzen lernen. Ich bin davon überzeugt, dass sich mySkillbox, auch durch die Rückmeldungen der Testklassen, sehr positiv entwickeln wird.